Arme Anita Augspurg

Kein Anita Augspurg Preis für die IFFF

Arme Anita Augspurg! 73 Jahre nach deinem Tod im Schweizer Exil wird nun die Organisation, die du mit so viel Herzblut und Engagement mitten im 1. Weltkrieg gegründet hast und die als Gruppe der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit noch immer in deiner Geburtsstadt München für Frieden und Gerechtigkeit arbeitet, nach „aktueller Lesart“ des Antisemitismus bezichtigt.

Du würdest dich im Grabe umdrehen, wenn du mitansehen müsstest, welcher Schaden damit für die Frauen und ihre Rechte insgesamt in der Stadt entsteht. Die Gleichstellungsstelle, die Gleichstellungskommission haben sich einstimmig hinter die Preisverleihung an die IFFF/WILPF gestellt und dies detailliert begründet. Viele Frauen-und Friedensgruppe in München haben sich darüber gefreut, dass diesmal ein politisches Engagement gewürdigt werden sollte, in einer Zeit, in der Krieg und Gewalt mitten in unsere Gesellschaft wieder Eingang findet. Jetzt dieses „Aus“- es wird 2016 keinen Preis geben und die IFFF/WILPF ist schwer getroffen. Aber sie bleibt kämpferisch.

Du, die mit Jüdinnen, mit Frauen aus kriegsführenden und nicht kriegsführenden Ländern eng zusammengearbeitet hast und immer Rechtsverletzungen und Gewalt angeprangert hast, würdest dich fragen, warum man immer noch nicht Unrecht beim Namen nennen darf und Wege aus der Gewaltspirale ignoriert!

Wir als Vertreterinnen der IFFF sehen uns in der Kontinuität deiner Arbeit, indem wir nicht nur die Beteiligung von Frauen an Konfliktlösung verlangen, sondern universelle Abrüstung fordern und gegen Gewalt an Frauen aktiv sind. Jetzt sehen wir uns auch in deiner Nachfolge der Diskriminierungen und Diskreditierungen, die dir und deinen Freundinnen bereits im 1. Weltkrieg widerfahren sind, als ihr euch weigertet dem Kriegstaumel nachzugeben und auch nicht als Lazarettschwester oder sockenstrickende Frauen für die Soldaten die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten; als ihr dafür geschmäht wurdet, die Nationalisten der Kaiserzeit nicht zu unterstützen und ihr verfolgt wurdet, weil ihr bereits 1923 die Ausweisung Hitlers betrieben habt, und 1933 ins Exil gehen musstet; als Ligafrauen nach dem 2. Weltkrieg gegen die Wiederbewaffnung aktiv wurden und unter Kommunismusverdacht bis in die 70er Jahre bespitzelt wurden.

Genauso nennen wir heute auch unangenehme Wahrheiten beim Namen. Dazu gehört u.a. die Jahrzehnte lange Missachtung von UNO-Resolutionen, die zur Beendigung der Besatzungs-und Siedlungspolitik in Israel aufrufen. Wir tun dies übrigens immer im Konsens mit unseren FreundInnen in Israel und Palästina – die auch in ihrer Comunity als Friedensfrauen oft angefeindet werden. Wir sind uns darüber einig, dass es kein Freundschaftsdienst für Israel ist, wenn man Kritik an der Regierung nicht zulässt und die Menschen in ihrer Friedenshoffnung alleine lässt. „Wir weigern uns, Feinde zu sein!“

Wir fragen uns schon, mit welchem Recht die Münchner CSU eine Frauenfriedensorganisation derart verunglimpft, die als Partei selbst gerade die Genfer Flüchtlingskonvention und internationalen Recht ignoriert durch Obergrenzen für Flüchtlinge und die Sperrung der Zufluchtsrouten für verfolgte Menschen, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Sie liefern diese willkürlich Elend, Hunger, sexuellen Übergriffen und Angst aus!

Wir wenden uns gegen den Rüstungsexport aus Deutschland, der immer noch und in wieder steigendem Maße die Kriege, die uns näher rücken, nährt. Daran messen wir die Politik, denn Krieg ist zunächst immer ein Versagen der Politik und dann ein Opfer, das auf dem Altar des wirtschaftlichen Profits dargebracht wird. Unser Maßstab ist die Konfliktprävention und die Dialogfähigkeit über Grenzen hinweg, um das Leidens der Zivilgesellschaft zu verhüten und die Bedürfnisse der Menschen zu bedienen.

Noch etwas: In Bayreuth sind gegen die Preisverleihung an Code Pink, eine amerikanische Frauenfriedensorganisation, die gleichen Geschütze aufgefahren worden, aber dort hat sich der Stadtrat – anders als in deiner Heimatstadt Anita – hinter die Frauen gestellt; aber es gibt ja auch in den meisten deutschen Städten und Gemeinden, ja sogar international, Stolpersteine zum Andenken an verfolgte MitbürgerInnen, meistens Juden – aber nicht in München.

Der Gegenwind wird härter. Wir setzen, liebe Anita, das sagen wir dir heute zu, auf unsere Überzeugungskraft, unsere Argumente und unsere Empathie für Recht und Gerechtigkeit. Dazu brauchen wir mehr als jemals die Solidarität vieler Frauen und Friedensbewegter.

Heidi Meinzolt, 10.3.2016

Zur Presseerklärung der IFFF vom 14. März 2016 "Unaufhörlich für den Frieden" hier entlang >>>

Zur Stellungnahme von Heidi Meinzolt vom 17. März 2016 "Aus gegebenem Anlass" hier entlang >>>

Wider den militärischen Geist! Friedensaktivistinnen in Deutschland – von 1889 bis heute von Susanne Hertrampf >>>

Ariadne 66 zum Thema Frauen und Frieden >>>


AUFRUF - IFFF Gruppen in Deutschland nach 1945 >>>


Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel

Fordern Sie mit uns einen Stopp der deutschen Rüstungsexporte! Hier geht es zur Kampagne, in dessen Aktionsbündnis die IFFF Mitglied ist: www.aufschrei-waffenhandel.de.


Der IFFF-Flyer zur Kampagne You Get What You Pay For und zur Kampagne Aktion Aufschrei hier als PDF

Taschen zur Kampagne You Get What You Pay For - Du KRIEGST wofür Du zahlst

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Sie können eine Tasche gegen eine Spende (mindestens 2 EUR) und Versandkosten bei uns bestellen. Die Spende ist steuerlich absetzbar; eine Zuwendungsbescheinigung schicken wir Ihnen gerne zu. Bitte mailen Sie Ihre Bestellung an: info@wilpf.de. Überweisungen bitte mit Ihrem Namen und dem Stichwort der Kampagne an: IFFF, GLS Bank, Konto Nr. 1142598700, Bankleitzahl 430 609 67.

Zur Kampagne geht es hier entlang > > > You Get What You Pay For


Kampagne "Stop Rape & Gender Violence in Conflict" von der Nobel Womens Initiative: www.stoprapeinconflict.org

Mit der neuen Kampagne “Stop Rape & Gender Violence in Conflict”, die von der Nobel Womens Initiative im Mai gestartet wurde und der sich WILPF ebenso wie das Forum Menschenrechte angeschlossen haben, werden neue Bündnisse und Zusammenarbeiten zu dem Thema möglich sein. Die internationale Kampagne vereint Organisationen und Einzelpersonen in eine starke und koordinierte Zusammenarbeit zur Veränderung. Gemeinsam soll die Prävention von sexualisierter Gewalt in Konflikten, der Schutz von Zivilisten und Überlebenden von sexualisierter Gewalt und die strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen eingefordert werden. Weitere Informationen unter:
www.stoprapeinconflict.org

Logo der Kampagne Stop Rape and Gender Violance in Conflict

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