Eleonore Romberg (19. Juni 1923 – 2. August 2004)

15. Juni 2009
Eleonore Romberg

Eleonore Romberg

1923 in München geboren, wuchs Eleonore Romberg in einer Arbeiterfamilie auf. Ihr leiblicher Vater starb, als sie knapp vier Jahre alt war; den Stiefvater – lange Zeit arbeitslos und seit dem Ersten Weltkrieg schwer kriegsverletzt – lehnte sie ab. Sie bekam noch vier Geschwister. Der einzige Bruder wurde beson¬ders gefördert und konnte die Realschule und das Gymnasium besuchen; Eleonore durfte nach acht Jahren Volksschule auf die Riemerschmid-Handelsschule.

Mit 13 Jahren kam sie in den Jungmädelbund der Hitlerjugend; in den BDM (Bund deutscher Mädel) musste sie nicht mehr eintreten, da sie mit 14 Jahren an Kinderlähmung erkrankte und von da ab unter einer schweren Gehbehinderung litt. Ihr Stiefvater hat als politisch Verdächtiger 1939 neun Monate im Gefängnis verbracht; für einige Jahre wollte sie deshalb von Politik nicht wissen. Nach der Schule arbeitete sie in einer Buchdruckerei; sie war voll verantwortlich für die Lohnbuchhaltung und die Kasse. Ihr Bruder, nach dem Abitur eingezogen, verlor 1940 als Pilot der Luftwaffe über England sein Leben.

Geprägt von der nationalsozialistischen Vergangenheit, fasste sie 1945 den Entschluss, in einer Gesellschaft mit einzustehen, in der es „Nie wieder Krieg“ geben sollte. Seitdem hat sie sich vehement bis zu ihrem Tod für Frieden, Frauen- und Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eingesetzt, für eine Gesellschaft, die auf demokratischen Prinzipien beruht. Durch die Arbeit 1946-1951 als Sekretärin für den CSU-Fraktionsvorsitzenden und späteren Kultus¬minister Alois Hundhammer entwickelte sie ein Verständnis für politisches Handeln, autoritäres Verhalten und Machtbewusstsein. 1951 wurde sie wegen Linien-Untreue entlassen: Ihr Freund (späterer Ehemann), der Arzt Ernst-Heinrich Romberg, engagierte sich im interzonalen Kulturbund zur demokrati¬schen Erneuerung, der 1945 auf Initiative der sowjetischen Militäradmini¬stra¬tion gegründet worden war. Für die fristlose Kündigung reichte der Kontakt zu dem Mitglied einer kommunistisch eingeschätzten Organisation aus. Eleonore heiratete E.H. Romberg 1953; die Ehe blieb kinderlos.

Die Remilitarisierung Westdeutschlands führte sie zur Friedensbewegung, dabei schloss sie sich bewusst einer Frauenbewegung an. Sie trat 1956 in die deutsche Sektion der IFFF ein, engagierte sich zuerst in der Münchner Gruppe und übernahm kurz darauf deren Vorsitz; schon Ende der 50er Jahre wird sie in den nationalen Vorstand gewählt. Wie ihre Mitstreiterin Hoppstock-Huth setzt sie sich besonders dafür ein, Brücken zwischen Ost und West zu bauen. Trotz der antikommunistischen Stimmung im Westen und den damit verbundenen Anfein¬dungen reiste sie mehrmals in die DDR und in die Sowjetunion.

Eleonore Romberg hat in den frühen 1960ern mit großer Willensstärke und Ehrgeiz die höhere Schulbildung und ein Studium nachgeholt, was ihr in der Jugendzeit verwehrt worden war: 1961 Begabtenabitur, dann Studium der Soziologie, Philosophie und Psychologie in München. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über das Thema: Die sozio-psychologische Situation der Frau an der Universität. Von 1968/73 bis 1983 lehrte sie erst als Dozentin, dann als Professorin für Soziologie an der Katholischen Stiftungsfachhochschule für Sozialwesen in München.
Als entschiedene Verfechterin für Frieden und Freiheit, die Ziele der Frauenliga, und als Vertreterin eines offenen, zum Dialog bereiten Deutschlands wurde Eleonore Romberg 1971 auf dem WILPF-Kongress in Neu-Delhi zur Vize¬präsidentin des internationalen Vorstands (1972-1974) gewählt. Sie war das erste Mitglied der deutschen Sektion, die 22 Jahre nach Magda Hoppstock- Huth in den internationalen Vorstand berufen wurde. Wegen erheblicher Schwierig¬keiten mit ihrem Arbeitgeber verließ sie pro forma für einige Jahre die Liga, um sich nach ihrer Emeritierung 1983 ausschließlich der Frauen- und Friedens¬arbeit zu widmen, 1986-92 war sie ein zweites Mal internationale Präsidentin der WILPF.

 

Gleichzeitig wurde sie – Anhängerin der FRIEDENSLISTE – als unabhängige Kandidatin der ersten Grünen-Fraktion in den Bayerischen Landtag (1986 – 90) gewählt. Obwohl sie auf der oberbayerischen Liste nur auf Platz 43 aufgestellt worden war und Mitglieder des Grünen Landes- und Bundesvorstandes gegen sie interveniert hatten, erzielte sie das sechsbeste Stimmenergebnis in Ober¬bayern, das drittbeste in München und schaffte den Sprung ins Maximilianeum.

Sie leitete über die Jahre hinweg die Münchner Gruppe, blieb bis 2001 Vorsitzende der deutschen Sektion der IFFF und war bis zu ihrem Tod im August 2004 Ehrenpräsidentin. Und schließlich wurde ihre ausdauernde Friedensarbeit anerkannt mit der Auszeichnung des Bayerischen Friedenspreises der Deutschen Friedensgesellschaft und von der Stadt München mit der Medaille München leuchtet.