Magda Hoppstock-Huth (September 1881 – April 1959)

15. Februar 2006
Magda Hoppstock-Huth

Magda Hoppstock-Huth

Die Hamburgerin kam aus einer Kaufmannsfamilie und wurde schon als Kind im Sinne der Völkerfreundschaft erzogen. Nach dem Besuch einer Klosterschule und einer Ausbildung zur Lehrerin studierte sie in England und Frankreich Sprachen. Den Beruf als Lehrerin gab sie nach ihrer Heirat mit dem Amtsrichter Hoppstock und der Geburt von zwei Kindern auf.

Schon während des Ersten Weltkrieges – sie verlor zwei ihrer Brüder im Krieg – schloss sie sich 1916 dem „Frauenausschuss für dauernden Frieden“ an, der im Juni 1919 in „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit“ (IFFF) umbenannt wurde. Magda Hoppstock-Huth war Gründungsmitglied und bis 1933 Vorsitzende der IFFF-Gruppe Hamburg. Von 1925 bis 1933 war sie außerdem Mitglied im Bundesvorstand der IFFF. Sie beschäftigte sich insbesondere mit den Themen des Kolonialismus und der Problematik nationaler Minderheiten. Mit Anita Augspurg und Lida G. Heymann, den Gründungsmitgliedern der IFFF, verband sie auch eine private Freundschaft; zusammen unternahmen sie Reisen durch Deutschland und ins Ausland.[1]

1919 trat sie in die USPD, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei ein – sie wollte auch mit dieser Partei für deren pazifistische, radikal-demokratische Richtung kämpfen. Aber schon 1920 trat sie wieder aus der Partei aus, da sie im Unterschied zu den Kommunisten (mit denen die USPD zusammenging) gegen jegliche Gewalt als gesellschaftspolitisches Mittel war.

Als bekennende Pazifistin und Gegnerin des Nationalsozialismus wurde sie verfolgt und musste 1933 aus Deutschland emigrieren. In England arbeitete sie mit anderen IFFF-Frauen gegen die Faschisten, kehrte 1939 aus familiären Gründen heimlich nach Hamburg zurück und wurde im Mai 1944 von der Gestapo verhaftet. Der Vollstreckung eines Todesurteils durch den Volksgerichtshof entging sie wohl nur, weil sie im Mai 1945 von britischen Truppen aus dem Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel befreit wurde.[2]

Magda Hoppstock-Huth wurde nach Kriegsende vom englischen Stadtkommandanten für Hamburg in die „Ernannte Bürgerschaft“ berufen, in der sie von 1946 bis 1949 für die SPD war. Dort konnte sie als Neugründerin der deutschen Sektion der IFFF die Interessen der Frauen vertreten. Die Engländer luden sie als erste deutsche Frau im Winter 1946/47 zu einer Vortragsreise durch mehrere englische Städte ein. Sie hatte sofort nach dem Krieg Kontakt zu anderen Ligafrauen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene gesucht. 1949 wurde sie sowohl als Vorsitzende der Deutschen Sektion bestätigt wie auch in den internationalen Vorstand berufen, dem sie bis 1953 angehörte. Allerdings war sie unter den deutschen Liga-Frauen wegen ihrer Vorstellungen und ihres Führungsstiles nicht unumstritten: Im September 1950 sprachen ihr acht Ortsgruppen das Misstrauen aus, weil sie angeblich mit dem Kommunismus sympathisierte. Der Kalte Krieg war ausgebrochen – in dem Klima der Angst war schon der Verdacht, mit Kommunisten zusammenzuarbeiten, spaltend. Ein Jahr später wurde der Konflikt durch den Internationalen Vorstand dahingehend gelöst, dass alle die Gruppen, die sich an der Kampagne gegen Hoppstock-Huth beteiligt hatten, von der IFFF ausgeschlossen wurden. Hoppstock-Huth war aktiv im 1954 gebildeten Deutschen Frauenrat, der Frauen aus beiden deutschen Staaten im Kampf gegen die Remilitarisierung der BRD und auch gegen die Vertiefung der Spaltung Deutschlands einigte. 1956 reiste sie als Mitglied der ersten westdeutschen Frauendelegation in die UdSSR, mehr denn je davon überzeugt, dass nur eine Verständigung zwischen Ost und West den Frieden sichern könnte.

Sie hat – als Mitglied der IFFF und als Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) – bis kurz vor ihrem Tod im April 1959 aktiv und konsequent ihre Friedenspolitik vertreten, umso mehr, als die erste westdeutsche Regierung bereits 1950 über eine Wiederbewaffnung nachdachte und 1955 der Nato beitrat. Magda Hoppstock-Huth trat für die totale Abrüstung in allen Ländern ein, weil „Internationale Frauen-Friedensarbeit helfen kann den Weg zu ebnen (…), dass zur Vernunft gekommene Menschen auch ein gesittetes Verhältnis zu ihrem Nachbarn finden werden“[3].

 

 


[1] Lida Gustava Heymann in Zusammenarbeit mit Anita Augspurg: Erlebtes – Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850 – 1940. Hrsg. Margit Twellmann, Meisenheim am Glan 1977,  S. 93.

[2] Susanne Hertrampf, Zum Wohle der Menschheit. Feministisches Denken und Engagement internationaler Aktivistinnen 1945-1975. Herbolzheim 2006, S. 141.

[3] Politeia-Kalender 2006