Women Water War

Unzureichende Wasservorräte, ungerechte Wasserverteilung und Zugang zu sauberem Wasser sind nicht nur eine tickende Zeitbombe, sondern auf dem besten Weg sich zur Konfliktursache Nummer 1 weltweit zu entwickeln. Frauen sind davon in besonderer Weise betroffen. Deshalb engagieren sie sich vor Ort. IFFF/WILPF hat die „Wasserkampagne" zu einem internationalen Schwerpunkt gemacht. von Heidi Meinzolt

Nicht in den klimatisierten Büros der Führungsetagen sind die Auswirkungen von Wasserknappheit, schlechtem Wasser, ungerechter Wasserverteilung hautnah zu spüren. Dort werden geostrategisch Ressourcen abgesichert, groß angelegte Entwicklungsprojekte mit internationaler Finanzierung beschlossen oder Privatisierungsmaßnahmen abgesichert. So ist das im Norden und im Süden. Aber in Tansania, in Sierra Leone, im Nahen Osten, in Bolivien und Costa Rica, in Indien und Bangla Desh sind es die Frauen, die kilometerweit um Wasser laufen, die sich stundenlang an suspekten Zapfstellen anstellen, deren Kinder missgebildet auf die Welt kommen und an üblem Wasser erkranken. Sie haben das Geld nicht, um Wasser immer teurer zu kaufen und müssen deshalb oft mit verseuchtem Nass auskommen.

Die Frauen sind die Leidtragenden, wenn sie mit ihren Familien zur  Umsiedlung für Staudammprojekte und nach Überschwemmungen gezwungen sind. Sie flüchten mit ihren Kindern, wenn Wasser zum Kriegsgrund wird. Wasser ist unabdingbar Teil ihres Lebens und deswegen müssen die Frauen, die Bescheid wissen,  die betroffen sind, angehört und beteiligt werden an der Planung und Durchführung aller Maßnahmen, vor Ort und in internationalen Gremien und Institutionen -  ganz im Sinne der UN-Resolution  1325 zur Beteiligung von Frauen an der  Krisenvermeidung und Konfliktlösung.

Die Ligafrau und Universitätsdozentin Dr. Roula Zoubiane aus dem Libanon betont z.B., wie der „Kampf" ums Wasser zum Überlebenskampf im Nahen Osten wird, der juristisch und politisch geklärt werden muss. Die Ligafrauen in Israel, Palästina und Libanon wissen, dass ihre Zukunft nur gemeinsam gesichert ist und deshalb ziehen sie auch in der Wasserkampagne an einem gemeinsamen Strang: sie protestieren z.B. gerade gegen den „Geheimplan" einer  Meerwasserentsalzungsanlage die die israelische Regierung zur Wasserversorgung der palästinensischen Bevölkerung plant - zu hohen Kosten, unter israelischer Kontrolle - weil die natürlichen Wasserreserven in den besetzten Gebieten ausschließlich für Israel zur Verfügung stehen. Dazu beteiligen sie sich unter schwierigsten Umständen an Bildungs- und Aufklärungsprojekten über Grenzen und Absperrungen hinweg und sind damit Botschafterinnen der erträumten Zukunft in Frieden und Solidarität. Gemeinsames Engagement für die Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens im Nahen Osten ist weder selbstverständlich noch einfach. Deshalb nutzen die Ligafrauen die internationale Plattform innerhalb ihrer Organisation nicht nur um sich abzustimmen mit ihren Aktionen und politischen Marschrichtungen, sondern auch um auf die besondere Kriegsgefahr durch Wassermangel, ungenügendes Wassermanagement und ungerechte Wasserverteilung aufmerksam zu machen, da die Wasserproblematik auf dem besten Weg ist, Öl als Konfliktursache Nr. 1 in der Region abzulösen.

Professor Regina Birchem, die Biologin aus USA und derzeitige internationale Präsidentin der WILPF hat an allen großen Weltkonferenzen teilgenommen, die den Bezug zwischen Umweltfragen und Frauen, Frieden und Gerechtigkeit thematisierten (von Rio, über Peking, Istanbul, Johannesburg) und hat auf den Weltsozialforen einen besonderen Fokus auf die Wasserproblematik in ihrer spezifischen Auswirkungen auf Frauen gelegt. Sie verfolgt deshalb seit Jahren, wie Frauen in Bolivien und Costa Rica  gegen die fortschreitende Privatisierung von Wasser durch multinationale Unternehmen kämpfen, wie sie beispielhafte Aufklärungsarbeit leisten, die Bevölkerung sensibilisieren, insbesondere Frauengruppen für den Gesundheitsaspekt von sauberem Wasser und wie diese dann gleichzeitig in zugespitzten sozialen Konfrontationen um gerechten Zugang zu Wasser vermitteln. Sie unterstützt mit ihrer Sachkenntnis Frauen der indischen Ligasektion, damit diese mit wissenschaftliche Analysen und Aktionen vor Ort die Proteste gegen gigantomanische Staudammprojekte führen können.

Der Bogen des Engagements von Ligafrauen ist weit gespannt: in Tansania z.B. sind Frauen aktiv in Kleinprojekten von großer ökologischer und sozialer Tragweite für Pump- und Leitungssysteme zu besseren Nutzung der raren Wasservorräte für Pflanzungen; sie fordern dort den privilegierten Zugang zu Quellen und Brunnen von privaten NutzerInnen und auch UreinwohnerInnen, sie  stellen vermittelt durch die internationale NGO-Verbindung internationale Projektverbindungen her und bringen auf einer ganz anderen Ebene Gesetzvorschläge und Rechtsnormen ein, die vor Ort oft nur in Machtgeplänkel versickern würden.

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Das war die internationale Kampagne für Kopenhagen 2010: Don't nuke the climate: 

http://www.dont-nuke-the-climate.org 

Bei dem Kopenhagen-Gipfel im Dezember 2009 sollen die Regierungen der ganzen Welt ein starkes Abkommen erreichen, um höhe Ziele für die Senkung der Treibhausgasemissionen zu setzen. Dabei sollte auch hoffentlich eine relevante Summe dem Kampf gegen Klimawandel und der Anpassung seiner unvermeidbaren Folgen gewidmet werden.

Bisher wurde Atomkraft nicht als Klimaschutzmechanismus in den internationalen Abkommen betrachtet. Vieles lässt allerdings denken, die Atomlobby versuche jetzt die Verhandlungen zu beeinflussen, damit Atomkraft als saubere Energie ausgezeichnet wird und deshalb neue Zuschüsse bekommen könnte. Werden unsere Staatschefs sich überzeugen lassen, eine gefährliche, teuere und ineffiziente Technologie zu finanzieren, und dabei riesige Beträge von echten Lösungen abzuleiten?

 

 

Kontakt 

Heidi Meinzolt
E-Mail: meinzolt[at]wilpf.de

  

Wend Brunnen

Wend Brunnen

Klimawandel und Konflikte

Frauen tragen die größte Last im klimakatastrophalen Alltag - und sind die wichtigsten Akteurinnen, um ihn zu verhindern... Vortrag von Heidi Meinzolt und Ute Scheub, bei der Tagung Klimawandel und Konflikte, Schwerpunkt "Versicherheitlichung versus präventive Friedenspolitik" der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Konfliktforschung/AFK am 27.2.2010 in Hamburg hier als PDF.