6. Oktober 2021

Preisverleihung und Informationsreise mit Efi Latsoudi

Am 10.09.2021 vergab die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit den „Rebellinnen gegen den Krieg – Anita-Augspurg Preis“ an die Griechin Efi Latsoudi, die sich seit vielen Jahren für geflüchtete Menschen auf der Insel Lesbos einsetzt.

Mit der von ihr mitbegründeten Organisation Lesvos Solidarity entstand ein Netzwerk von Menschen, die sich gemeinsam für ein Leben in Würde und Menschlichkeit engagieren. Einwohner*innen der Insel und Geflüchtete schufen zusammen das Pikpa-Camp, indem besonders verletzliche Menschen (Schwangere, unbegleitete Kinder, sehr alte Menschen und Menschen mit Behinderung) untergebracht wurden. Von 2012 bis zum Oktober 2020 bestand diese Anlage, dann wurde sie von den griechischen Behörden geschlossen. Seitdem versuchen die Aktivist*innen eine neue Bleibe für ihre Arbeit zu finden.

Die Stadt Verden richtete die Preisverleihung im Dom aus. Pastor Möring hatte aufgrund der Coronamaßnahmen den schönen großen Raum zur Verfügung gestellt. Es war ein besonderer Rahmen, in dem die Würdigung stattfinden konnte. Frau Daniela Behrens, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen, brachte Grußworte und Herr Bürgermeister Lutz Brockmann hieß uns zur vierten Preisverleihung herzlich willkommen. Die IFFF freut sich besonders, dass in Verden ein Anita-Augspurg-Verein gegründet wurde.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten der Stadt Verden für ihre großzügige Unterstützung!

Bürgermeister Lutz Brockmann, Preisträgerin Efi Latsoudi, Co-Vorsitzende der IFFF Marieke Fröhlich, Laudatorin Madita Standke-Erdmann, Ministerin Daniela Behrens (v. links)

Im Anschluss an die Preisverleihung fand eine Informationsreise durch Deutschland statt. Efi Latsoudi war in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt (Main) zu Besuch. Die Ziele dieser Reise waren das persönliche Kennenlernen, das Teilen von Wissen über die europäische Politik an den Außengrenzen und die Vernetzung von Akteur*innen aus der Menschenrechts- und Geflüchtetenbewegung. Es wurde auch die Gelegenheit genutzt, um Politiker*innen zu treffen, die sich für die Rechte von Geflüchteten einsetzen.

Bürgermeisterin der Stadt München Verena Dietl mit Efi Latsoudi am 15.09.2021 vor dem Sitzungssaal im Rathaus.

Efi Latsoudi wurde nicht müde, die Abschreckungspolitik der EU am Beispiel der Lager auf Lesbos zu kritisieren und eine menschenwürdige Unterbringung Geflüchteter anzumahnen. Viele Bekannte und Freund*innen oder Menschen, die über Lesbos nach Deutschland gekommen sind oder schon auf der Insel mitgearbeitet hatten, hießen sie an den jeweiligen Standorten herzlich willkommen. Es wurden mit ihr auch zahlreiche Interviews geführt. So haben wir ein Netz weitergeknüpft. Jeder Knoten ist wichtig.

Flucht und Vertreibung sind heute die Realität von ca. 80 Millionen Menschen. Die meisten Geflüchteten kommen aus Kriegsländern, ihre Menschenrechte sind unsere Menschenrechte. Der Berichte über das neue Zeltlager auf Lesbos, auf dem Gelände eines Truppenübungsplatzes weit draußen, hat uns sehr empört. Es darf von NGOs nicht betreten werden. Nur wenige haben Zugang.

Efi Latsoudi führte in ihrer Dankesrede im Dom treffend aus: „Unsere Einstellung entspringt purem Realismus und jahrelanger Erfahrung mit Grenzrealitäten. Es gibt keine Sicherheit, die aus Schmerz und Ungerechtigkeit, aus grausamen Praktiken und Brutalität entsteht. Es gibt keine Zukunft, es sei denn, wir alle haben ein sicheres, gemeinsames Interesse an dieser Zukunft“.