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Erklärung zum bewaffneten Angriff der Vereinigten Staaten auf Venezuela

Am 8. Januar 2026 veröffentlichte WILPF International eine Erklärung, in der sie den bewaffneten Angriff der Vereinigten Staaten auf Venezuela aufs Schärfste verurteilte und ihn als kriminellen Verstoß gegen das Völkerrecht und als gefährliche Eskalation bezeichnete, die die Souveränität, Selbstbestimmung und kollektive menschliche Sicherheit gemäß der Charta der Vereinten Nationen untergräbt.

Die Erklärung ordnet den Angriff in die lange Geschichte der imperialistischen Interventionen der USA in Lateinamerika ein, warnt davor, dass die Straffreiheit mächtiger Staaten den regionalen und globalen Frieden gefährdet, und lehnt Militarismus als falsche Lösung ab, die das humanitäre Leid verschlimmert.

WILPF fordert die internationale Gemeinschaft auf, das Völkerrecht zu wahren, Militarisierung abzulehnen, gegen ölgetriebene Aggressionen vorzugehen und sich solidarisch mit der venezolanischen Bevölkerung und ihrem Recht auf Selbstbestimmung zu zeigen.

Statement von WILPF International¹

Die Women´s International League for Peace and Freedom (WILPF) verurteilt kategorisch und aufs Schärfste die Aggression und die jüngsten Militärangriffe der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Bevölkerung der Republik Venezuela.

Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Frau nach mehreren Monaten militärischer Aufrüstung durch die USA, Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmuggelboote in der südlichen Karibik und die US-Erklärung eines bewaffneten Konflikts gegen Drogenkartelle stellen eine gefährliche Eskalation der Gewalt, einen kriminellen Verstoß gegen das Völkerrecht und einen direkten Angriff auf die in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Grundsätze der Souveränität, Selbstbestimmung und kollektiven menschlichen Sicherheit dar.

Wenn mächtige Staaten ermutigt werden, straffrei zu handeln, wird die auf internationalem Recht basierende Ordnung untergraben und das Risiko breiterer regionaler und globaler Konflikte steigt. Diese dreiste Ausweitung des Dogmas der imperialistischen Einflusssphären stellt daher eine Bedrohung für die gesamte Welt dar.

Grundsätzlich stellt dieser einseitige bewaffnete Angriff eine neue Wiederholung der historischen kolonialen Praktiken der USA auf lateinamerikanischem Boden dar – einschließlich militärischer Maßnahmen, Sanktionen und Blockaden –, die darauf abzielen, eine souveräne Nation mit Gewalt zu unterwerfen, um deren strategische Ressourcen zu plündern. Der illegale Angriff auf Venezuela ist keine Ausnahme, sondern das vorhersehbare Ergebnis einer von fossilen Brennstoffen abhängigen globalen Ordnung. Frühere imperialistische Interventionen der USA standen häufig im Zusammenhang mit dem Versuch, Ölreserven zu kontrollieren oder die Vorherrschaft auf dem globalen Energiemarkt zu sichern. Die Drohungen, Grönland zu übernehmen, folgen demselben Muster: die Ressourcen anderer Länder plündern zu wollen – diesmal unter dem Vorwand, die Sicherheit der USA zu schützen.

Dieser jüngste Angriff sticht als eine der bisher heftigsten Interventionen hervor. Unter dem Deckmantel einer „Strafverfolgungsmaßnahme“ versucht die Trump-Regierung– wie sie selbst zugibt – die venezolanische Regierung zu zwingen, das Land für US-Ölkonzerne zu öffnen. So wie der „Krieg gegen den Terror“ in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten Terrorismus als Vorwand für militärische Invasionen nutzte, einschließlich im Nahen Osten und Nordafrika, setzt die US-Regierung nun den Diskurs des „Narco-Terrorismus (Drogen-Terrorismus)“ ein, um einen Regimewechsel, militärische Aktionen und eine neue Ära des Krieges gegen Drogen zu legitimieren – eine Ära, der bereits Hunderttausende Menschen in Amerika das Leben gekostet hat.

Die US-Regierung hat unter anderem durch ihre neue nationale Sicherheitsstrategie unmissverständlich deutlich gemacht, dass ihr Ziel darin besteht, die Menschen, das Land, die Ressourcen und die Politik der Region Amerika durch eine wiederbelebte Version der imperialistischen Monroe-Doktrin zu unterwerfen. Im vergangenen Jahr hat die US-Regierung wiederholt Drohungen gegen zahlreiche andere Länder in der Region ausgesprochen, insbesondere gegen Kolumbien, Mexiko, Kuba und Kanada, und ihren Einfluss auf die Wahlergebnisse in Argentinien, Chile und Honduras hervorgehoben.
Indem sie nach ihrem Angriff auf Venezuela behauptete: „Das ist UNSERE Hemisphäre“, zeigt die US-Regierung, dass ihr Angriff auf das Volk und die Souveränität Venezuelas zugleich ein Angriff auf die gesamte Region ist.

Wieder einmal wird Militarismus als Lösung für politische und wirtschaftliche Spannungen dargestellt und als notwendig zur Förderung der „Freiheit“ propagiert. Doch die Geschichte zeigt uns genau das Gegenteil: Militärische Interventionen vertiefen Instabilität, verschärfen humanitäres Leid und treffen Frauen, Kinder, indigene Völker und marginalisierte Gemeinschaften überproportional. Sie verfestigen Kreisläufe der Gewalt, anstatt Konflikte zu lösen.
Was als „erfolgreicher Schlag“ gefeiert wurde, lässt die Tatsache außer Acht, dass bei dieser illegalen Aktion mindestens 80 Menschen getötet wurden. In den Augen der USA war die Operation „erfolgreich“, da kein US-Militärangehöriger getötet wurde – ein weiteres Beispiel für die Missachtung und Verachtung des Lebens lateinamerikanischer Menschen.

Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf:

• Die einseitige und unprovozierte Aggression der USA gegen Venezuela zu verurteilen;
• Dringend Maßnahmen zu ergreifen, um allen Handlungen, die dem Völkerrecht widersprechen, ein Ende zu setzen – einschließlich der rechtswidrigen    Anwendung von Gewalt oder deren Androhung sowie Aggressionshandlungen;
• Die Militarisierung, einschließlich hypermilitarisierter und sicherheitspolitischer Reaktionen auf den Drogenhandel, abzulehnen und sich erneut zu diplomatischen, politischen und multilateralen Wege zu bekennen;
Finanzmittel umzulenken – weg von Krieg, Waffen und Kriminalisierung hin zu sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz, Frieden sowie dem öffentlichen Gesundheitswesen und Wohnungen – echte Lösungen für das Leiden der Bevölkerung, einschließlich des Drogenkonsums;
• Fossile Brennstoffe dringend auslaufen zu lassen, unter anderem durch die Aushandlung eines Vertrages über den Verzicht auf fossile Brennstoffe, um die strukturellen Anreize für ölgetriebene Aggressionen zu beseitigen;
• Die Nachbarländer Venezuelas, insbesondere Kolumbien, bei der Suche nach Alternativen zur Wahrung ihrer Souveränität und Autonomie angesichts der Einmischung der USA und bei der Bewältigung der Migrationsfolgen der aktuellen Situation zu unterstützen.

WILPF steht solidarisch an der Seite von feministischen Bewegungen, Friedensorganisationen und der Bevölkerung Venezuelas sowie weltweit mit allen, die ein sofortiges Ende der US-Militäraggression und die Achtung der Rechtsstaatlichkeit fordern. Wir bekräftigen das Recht der venezolanischen Menschen, ihre Repräsentant_innen frei zu wählen und über ihre eigene Zukunft zu bestimmen.

¹Bei dem Beitrag handelt es sich um ein Statement von WILPF International in übersetzter Fassung. Die originale Fassung in englischer Sprache findet sich hier. Auch WILPF US und WILPF Spanien haben Statements verfasst.