WILPF Deutschland-Mitglied Helga Merkelbach berichtet von der diesjährigen Mitgliederversammlung Ende Februar in München, bei der wir gemeinsam über das vergangene Jahr reflektiert und unsere zukünftigen Aktivitäten geplant haben.
Ein Bericht von Helga Merkelbach
Etwa 30 Frauen in ihrer bunten Verschiedenheit trafen einander in München, einig darin, dass die zunehmende Militarisierung in der Welt der Erde und ihren Lebewesen gerade immens zusetzt.
Münchner Frauen hatten den Raum vorbereitet und sorgten für das leibliche Wohl (dafür ein großes Dankeschön!) – dennoch blieb uns der Bissen im Hals stecken, als wir am zweiten Tag vom Überfall Israels und der USA auf den Iran erfuhren. Am schlimmsten traf uns alle die Nachricht, dass die USA eine Mädchenschule bombardierte, 156 Zivilpersonen tötete, 120 davon Mädchen.
Unser eng gestricktes Programm sah eigentlich vor, dass wir mehr zum Krieg im Sudan erfahren und einen Einblick in den geostrategischen Hintergrund von Gaza und Westasien erhalten. Es zeichnet den Vorstand und alle Teilnehmenden aus, dass wir den aktuellen Geschehnissen Raum gaben und stattdessen zwei unserer Mitglieder von der Lage im Iran, in Rojava und der breiteren Region erzählen ließen. Auch wir anderen hatten die Möglichkeit, unsere Betroffenheit mitzuteilen und von der bedrückenden Kommunikation mit Freundinnen und Kameradinnen im Libanon und in Palästina zu berichten. Empathie geben – an die Menschen im Krieg und mit persönlichen Verbindungen. Empathie empfangen – untereinander. Und so die Spirale von Gewalt, Zerstörung, Traumatisierung und Tod irgendwie verarbeiten. Das abendliche T-Shirt und Taschen Bedrucken und dabei Erzählen trug weiter dazu bei, kreativ standhaft dem Grauen unsere Position entgegenzusetzen.
Am Samstag und Sonntag haben wir gehört, worin sich im letzten Jahr jede allein oder in entsprechenden Gruppen und Netzwerken eingebracht hat, eine stattliche Zahl von Aktivitäten in verschiedenen Formaten. Dazu gehörten etwa die Organisation von und Teilnahme an Demonstrationen, Berichte von UN-Sitzungen oder die regelmäßigen Radiosendungen der Münchner Regionalgruppe. Mich hat es beeindruckt, war ich persönlich doch unzufrieden vor etwa zwei Jahren als Mitglied bei WILPF ausgetreten und jetzt erwartungsvoll wieder dabei – und wurde nicht enttäuscht. Alle unsere Erfahrungen und auch unsere Überlegungen für die kommende Jahresstrategie, die wir bei der Mitgliederversammlung ebenso entwickelt haben, waren beeinflusst von den finanziellen Kürzungen und dem wachsenden Druck auf die engagierte Zivilgesellschaft in Deutschland und weltweit.
Ich hatte den Eindruck, dass inzwischen die ältere Generation in WILPF und Young WILPF gelernt haben, Erfahrungen und Initiativen miteinander in Einklang zu bringen. Es hat mich traurig gemacht, wie sehr die jungen Frauen, die auch Verantwortung in der Sektion übernommen haben, unter gewaltigem Druck stehen, Beruf, Privates und ihr politisches Engagement miteinander zu verbinden, ohne sich dabei bis zur Erschöpfung zu verausgaben oder vor dem wachsenden gesellschaftspolitischen Herausforderungen (von Rechtsruck bis Kriegen) zu kapitulieren. Und es hat mich gefreut, dass es eine große Bereitschaft gibt, mein persönliches Thema – Frauen, Krieg und Klima /Umwelt, vor allem bezogen auf Palästina und Westasien – anzunehmen und mich darin zu unterstützen.
Ich freue mich auf die nächste Zusammenkunft, sich wieder auszutauschen und wieder diese Bereitschaft zu einvernehmlicher Solidarität zu spüren.
