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Statement zu den Angriffen auf Rojava

Die deutsche Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF/WILPF) erklärt hiermit ihre Solidarität mit der Zivilbevölkerung von Nordostsyrien (Rojava) — besonders mit den kurdischen Gemeinden, Jesid*innen, Frauen, LGBTQIA+-Personen und anderen marginalisierten Gruppen, die seit Jahrzehnten Opfer systematischer Gewalt, Vertreibung und politischer Unterdrückung sind.

Wir appellieren an alle feministischen, Friedens- und menschenrechtsbasierten Organisationen weltweit, solidarisch an der Seite der Zivilbevölkerung in Rojava zu stehen und mit uns einen sofortigen Stopp aller Angriffe auf kurdische und andere zivilgesellschaftliche Gemeinschaften in Nordostsyrien, Anerkennung und Schutz des Rechts auf politische Selbstbestimmung der Kurd*innen und aller religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien und ein Ende der Normalisierungspolitik gegenüber der syrischen Übergangsregierung zu fordern!

Statement von WILPF Deutschland

Die deutsche Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF/WILPF) erklärt hiermit ihre Solidarität mit der Zivilbevölkerung von Nordostsyrien (Rojava) — besonders mit den kurdischen Gemeinden, Jesid*innen, Frauen, LGBTQIA+-Personen und anderen marginalisierten Gruppen, die seit Jahrzehnten Opfer systematischer Gewalt, Vertreibung und politischer Unterdrückung sind.

Seit den Angriffen auf kurdische Nachbarschaften in Aleppo im Januar dieses Jahres durch HTS und Türkei-nahe Milizen erleben wir eine erneute Eskalation der Gewalt gegen kurdische Mehrheitsgebiete, die vor den Augen der internationalen Gemeinschaft stattfindet. 

Die SDF-Truppen wurden aus strategisch wichtigen Orten zurückgedrängt, während bewaffnete Gruppen mit Verbindungen zu ISIS und HTS ihre Angriffe fortsetzen. Inzwischen wurde auch das kurdische Kerngebiet angegriffen. Videos und Berichte über exekutierte Kämpfer*innen, entführte Frauen und Zivilist*innen liegen vor und dokumentieren ein Ausmaß an Brutalität, das an frühere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung in Nordostsyrien erinnert. Diese Entwicklungen geschehen nicht in einem politischen Vakuum, sondern mit aktiver oder passiver Unterstützung regionaler Mächte und globaler Großmächte. Dabei stehen geopolitische Interessen, wie die Ermöglichung von Abschiebungen (im Falle der deutschen Bundesregierung) oder der Zugang zu Ressourcen im Vordergrund.

Gleichzeitig wurden IS-Kämpfer aus Haftanstalten befreit und gehen erneut bewaffnet gegen die Zivilbevölkerung vor, die damals schwere Gewalttaten und besonders schwere geschlechtsspezifische Gewalt durch den IS erlebte. Diese Gewalt droht sich nun zu wiederholen. 

Geschlechtsspezifische Dimensionen der Gewalt

Die Gewalt in Nordostsyrien trifft Frauen, Mädchen und LGBTQIA+-Personen in besonderer Weise:

  • Sexualisierte Gewalt, Entführungen und gezielte Angriffe auf Frauen Mittel der Kriegsführung, die auf Einschüchterung und Zerstörung von Gemeinschaften abzielen.
  • LGBTQIA+-Personen werden explizit verfolgt, geächtet und staatlicher oder militärischer Gewalt ausgesetzt — ein direkter Angriff auf ihre Existenz und Rechte.
  • Patriarchale Gewalt wird in diesem Krieg ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert, um Machtstrukturen zu stabilisieren und Widerstand zu brechen.

Rojava als feministischer Gegenentwurf

Die demokratische Selbstverwaltung Nordostsyriens ist ein einzigartiges soziales und politisches Projekt, das der Idee radikaler Selbstbestimmung Gestalt verleiht. Sie basiert auf dem Grundsatz, dass Frieden nur möglich ist, wenn Frauen gleichberechtigt und aktiv an allen Entscheidungsprozessen beteiligt sind — in starker Übereinstimmung mit der Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit, für die WILPF sich seit Jahrzehnten stark macht.

Diese Vision ist ein konstruktiver Gegenentwurf zu patriarchalen, autoritären und religiös-fundamentalistischen Strukturen.

Wir stehen an der Seite der Menschen in Rojava, die für Freiheit, Selbstbestimmung und Frieden einstehen:

Als deutsche Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit fordern wir:

  1. Sofortiger Stopp aller Angriffe auf kurdische und andere zivilgesellschaftliche Gemeinschaften in Nordostsyrien.
  2. Anerkennung und Schutz des Rechts auf politische Selbstbestimmung der Kurd*innen sowie aller religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien — frei von ausländischer Intervention und militärischer Einflussnahme.
  3. Schutz von Frauen, Mädchen, LGBTQIA+-Personen und marginalisierten Gruppen vor sexueller Gewalt, willkürlicher Verfolgung und Diskriminierung.
  4. Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen: Täter, einschließlich ISIS, HTS und assoziierter Gruppen, müssen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor unabhängigen internationalen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden.
  5. Ende der Normalisierungspolitik gegenüber der syrischen Übergangsregierung zur Verwirklichung geopolitischer und innenpolitischer Interessen. Syrien ist kein sicheres Herkunftsland, Abschiebungen dorthin sind menschenrechtswidrig.
  6. Internationale politische Unterstützung und humanitäre Hilfe für Initiativen, die Geschlechtergerechtigkeit und Frieden fördern — ohne an Bedingungen gebunden zu sein, die autoritäre, militarisierte oder fundamentalistische Agenden stützen.

Appell zur internationalen Solidarität mit Rojava

Wir rufen alle feministischen, Friedens- und menschenrechtsbasierten Organisationen weltweit dazu auf, solidarisch an der Seite der Zivilbevölkerung in Rojava zu stehen, Druck auf Regierungen und internationale Institutionen auszuüben und gemeinsam für eine Welt einzutreten:

  • in der alle Menschen frei von Diskriminierung, Verfolgung und Unterdrückung leben,
  • in der Gleichberechtigung nicht nur ein Ideal, sondern gelebte Realität ist,
  • und in der Frieden, Freiheit, Selbstbestimmung und Solidarität die Grundlage des internationalen Zusammenlebens bilden.

Jin, Jiyan, Azadî!