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“Layers of Peace” — ein Friedensfest einen Tag vor dem Internationalen Tag des Friedens

Gemeinsam mit Cênî – Das Kurdische Frauenbüro für Frieden e.V. haben wir als Deutsche Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit zum 20. September, einen Tag vor dem internationalen Tag des Friedens, ein Friedensfest mit interaktiver Kunstausstellung und vielen Workshops in der Kiezkapelle in Berlin-Neukölln ausgerichtet.

Bericht von WILPF Deutschland-Vorstandsmitglied Theresa Weigel

Am 20. September, einen Tag vor dem Internationalen Tag des Friedens, haben wir gemeinsam mit Cênî – dem Kurdischen Frauenbüro für Frieden zu “Layers of Peace” eingeladen: einer Ausstellung, Performance und einem Programm aus Workshops in der Kiezkapelle in Berlin. Entstanden ist das Projekt gemeinsam mit vielen Unterstützer*innen und Freund*innen aus unseren Kreisen, zum Beispiel Gemeinsam Kämpfen und dem Schulstreik-Komitee.

Wir leben in einer Zeit, in der Herrschaftssysteme wie Patriarchat, Kapitalismus, Kolonialismus, Rassismus und Militarismus ineinandergreifen und weltweit an Macht gewinnen. Autoritäre und anti-demokratische Kräfte erstarken, Rassismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit werden lauter. Wir erleben Kriege und Genozide, die sich live gestreamt, kommentiert und normalisiert vor unseren Augen abspielen, während internationale Mechanismen versagen oder bewusst weggeschaut wird. In einer solchen Zeit von Frieden zu sprechen, mag utopisch klingen. Aber Frieden ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann besitzt, sondern etwas, das wir gegen diese Systeme immer wieder neu erkämpfen und gemeinsam gestalten müssen.

Genau das wollten wir mit “Layers of Peace” sichtbar machen: dass Frieden nicht das Ende von Krieg oder ein Vertrag zwischen Staaten ist, sondern ein vielschichtiger Prozess, der im Körper beginnt, sich in Beziehungen zeigt, in Communities wächst, Gesellschaften verändert und erst dann auch zwischen Staaten dauerhaft werden kann. Krieg ist in diesem Verständnis keine Fortsetzung, die erst zwischen Armeen beginnt, sondern eine Fortsetzung von Herrschaft, die im Kleinen anfängt — in Körpern, Beziehungen und Alltagsstrukturen — und sich am Ende in Waffengewalt entlädt. Wer Frieden nur als Waffenstillstand denkt, übersieht deshalb, wo Krieg eigentlich anfängt.

Philosophisch stützt sich das Konzept auf Murray Bookchins Soziale Ökologie und ihre drei Naturen: die nicht-menschliche Welt aus Erde, Tieren, Ökosystemen und Körperlichkeit; die von Menschen geschaffene Welt aus Kultur, Institutionen und sozialen Beziehungen; und eine dritte, oft übersehene Natur — das Potenzial des Menschen, bewusst, frei und schöpferisch zu handeln, statt die ersten beiden gegeneinander zu stellen. Diese Idee lebt heute vor allem in der kurdischen Frauenbewegung weiter, deren Praxis Frieden nicht ohne die Befreiung der Frau, ohne ökologisches Zusammenleben und ohne gesellschaftliche Selbstorganisation denkt. Der Satz “Jin, Jiyan, Azadî” — Frau, Leben, Freiheit — bringt das auf den Punkt: Patriarchale Gewalt, Naturzerstörung und Krieg zwischen Staaten sind keine getrennten Probleme, sondern entstammen derselben Logik der Beherrschung.

Im Raum wurde das an einer zentralen Baum-Installation greifbar: Holz und Wurzeln standen für die erste Natur, die Konstruktion aus Balken und Verbindungen für die zweite, und die Gedanken, Wünsche und Visionen, die Besucher*innen an den Baum hängten, für die dritte – das schöpferische Potenzial, aus dem Neues wachsen kann. Von dort aus entfalteten sich die Ebenen der Ausstellung: innerer Frieden und die Frage, was einen Körper sicher fühlen lässt; Frieden untereinander, in Beziehungen, die Konflikte nicht in Demütigung kippen lassen; Versöhnung und Heilung zwischen persönlichen und kollektiven Wunden; Frieden zwischen Mensch und Natur; Frieden in Community und Nachbarschaft; Frieden zwischen Gesellschaften, mit der Frage nach einem “Guten Leben” jenseits von Gewalt und Unterdrückung; und, bewusst ans Ende gestellt, Frieden zwischen Staaten; denn Verträge und internationales Recht schaffen wichtige Rahmenbedingungen, reichen aber nicht, solange gesellschaftliche Gewalt, patriarchale Strukturen und Naturzerstörung fortbestehen.

Begleitet wurde die Ausstellung von mehreren Workshops, darunter auch unser eigenes neues Format “Kein Feminismus in Uniform”, einem feministischen Argumentationstraining gegen Militarismus und die Wiedereinführung der Wehrpflicht, das wir seitdem als festes Angebot anbieten.

“Layers of Peace” war für uns deshalb mehr als eine Ausstellung: ein feministisches, ökologisches Friedenskonzept, das zeigt, dass Frieden nicht durch die bloße Abwesenheit von Krieg entsteht, sondern dort, wo die Beziehungen zwischen Körpern, Menschen, Communities, Gesellschaften, Staaten und Natur neu geordnet werden. Genau daran arbeiten wir auch über den 21. September hinaus weiter. 

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