WILPF Deutschland-Mitglied Helga Merkelbach war für uns auf der SB 64 in Bonn, der Vorkonferenz für die COP 31 Klimakonferenz, die im November 2026 in Antalya/Türkei stattfinden wird.
Ein Bericht von Helga Merkelbach
Vom 8. bis 18. Juni 2026 fand die Vorkonferenz (SB 64 in Bonn) der COP 31 (Klimakonferenz in Antalya /Türkei) statt, an der ich für WILPF als Beobachterin teilnahm. Allmorgendlich stärkte ich mich in der Solidarität mit 20 bis 50 Frauen aus aller Welt, die gemeinsam in der Women and Gender Constituency (WGC) versuchten, feministische Belange in die Verhandlungen über ein Schlussdokument hineinzutragen, das wiederum Grundlage für die Diskussionen der COP 31 im November 2026 sein wird.
Auf der COP 30 in Belém /Brasilien hatte die Zivilgesellschaft (vertreten durch weitere Constituencies wie Jugend, Gewerkschaften, Indigene, Umwelt, Kommunen, Bäuer:innen, Wissenschaftler:innen) BAM erreicht, den „Belém Action Mechanism for Global Just Transition“, mit dem Menschen bei einem gerechten Übergang Schutz respektive Mitsprache zugestanden wird. Die Klimaziele (maximal 1,5° Erwärmung und ein Ende der fossilen Energie) sollen geplant, finanziert und umgesetzt werden durch internationale Zusammenarbeit.
Das Ergebnis kurz gefasst: BAM wurde nicht implementiert, keine öffentliche (auf Zuschuss basierende) Finanzierung durch die Hauptverantwortlichen des globalen Nordens. Die direkte Nennung der zu schützenden / beteiligenden Menschen erfolgte erst in Klammern, dann wurde sie gestrichen. In vielen pfiffigen Aktionen im UN Gebäude machten wir (NGO-Vertreter:innen) die offiziellen staatlichen Delegierten auf die Dringlichkeit des Handelns aufmerksam – dieser Kampf geht weiter in Antalya.
Für WILPF hatte ich obendrein das Ziel, die Rolle von Militär und Kriegen in die Debatte hineinzutragen. In der ersten Woche fand eine Veranstaltung und eine Pressekonferenz von WILPF, Peace Boat und Tipping Point North South dazu statt. In der zweiten Woche stand ich zunächst scheinbar allein mit diesem Thema. Wir fordern, dass das Pariser Klimaabkommen ergänzt wird durch die verpflichtende Nennung von Militäremissionen eines jeden Landes. Wissenschaftlich wurde berechnet, dass das Militär, wäre es ein Land, an vierter Stelle für Treibhausemissionen käme, nach China, USA und Indien. Nur ein Bruchteil der Militärausgaben der Welt (zur Zeit etwa 2,9 Billionen US $) würden BAM spielend finanzieren können, also, bewegt das Geld weg vom Militär hin zu BAM!
Die Delegierten sprachen zwar von den „derzeitigen Krisen der Welt“ als zusätzliche Erschwernis beim Klimawandel, aber niemand nahm direkt Bezug auf „Militär“ oder „Krieg“. Ich konnte mit über einem Dutzend offiziellen Delegationen inoffiziell über diese Fakten und Forderungen sprechen und stehe mit Einigen seitdem in direktem Kontakt. Das Climate Action Network (CAN, WILPF ist Mitglied) forderte in einem ihrer täglich (an alle Konferenzteilnehmende) verteilten „ECO“ auch die notwendige Umverteilung von Geldern weg von Militär hin zu Adaption, Mitigation und Loss & Damage. Die Präsidentschaften der COPs bezogen sich auf ECO und versprachen ihre „Hausaufgaben“ zu machen.
Auf Side Events und in Pressekonferenzen stellte ich insgesamt 15 Mal diese Fragen in den Raum; gegen Ende der Zeit war ich dafür schon bekannt und wurde darauf angesprochen.
Ein Beispiel für die Antwort des Botschafters A.A. Corrêa do Lago für die Präsidentschaft der COP 30 auf meine Frage ist hier zu finden (ab Minute 00:20:05): „Es ist ein interessantes Thema.“ Der Gesichtsausdruck spricht Bände über die Brisanz, aber das Thema ist im Raum angekommen.
